Arbeitsgemeinschaft AIDS-Prävention NRW

Spotlight: Welt-AIDS-Tag 2021

Rote Schleife (Foto: beja)

Weltweit leben laut UNAIDS knapp 38 Millionen Menschen mit HIV. 2020 infizierten sich etwa 1,5 Millionen Menschen neu mit dem Virus. 680.000 Menschen sind 2020 an Aids verstorben. Noch lange haben nicht alle Zugang zu den lebensnotwendigen Medikamenten.

In Deutschland kann man heute mit HIV bei rechtzeitiger Diagnose und Therapie alt werden und leben wie andere Menschen auch. Eine Übertragung von HIV ist unter einer wirksamen Therapie nicht mehr möglich.

Zugleich erleben Menschen mit HIV immer noch Zurückweisung, Benachteiligung oder Schuldzuweisungen – in der Familie, im Freundeskreis, im Job, in der Freizeit und sogar im Gesundheitswesen. Abwertung und Ausgrenzung machen krank. Sie können zu psychischen Erkrankungen führen und Menschen von Besuchen in ärztlichen Praxen abhalten. Angst vor Zurückweisung hält Menschen auch vom HIV-Test ab. Sie leben dann oft lange Zeit ohne Behandlung mit HIV, bis sie schwer krank werden (siehe auch die aktuellen Ergebnisse des partizipativen Forschungsprojektes "positive stimmen 2.0").

Am 1. Dezember 2021 findet der 33. Welt-Aids-Tag statt. Ziel ist es, dafür zu sensibilisieren, wie wichtig ein Miteinander ohne Vorurteile und Ausgrenzung ist, und dafür, dass wir nur gemeinsam die Diskriminierung von Menschen mit HIV abbauen können.

Kampagne "Leben mit HIV. Anders als du denkst."

Menschen mit HIV können bei rechtzeitiger Diagnose und Therapie leben wie alle anderen. Sie haben dementsprechend auch die gleichen Alltagsprobleme. Mit dieser Botschaft startete am 4. November 2021 die Gemeinschaftskampagne "Leben mit HIV. Anders als du denkst." der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), der Deutschen AIDS-Stiftung (DAS) und der Deutschen Aidshilfe (DAH). Anlass ist der Welt-Aids-Tag am 1. Dezember. Die Kampagne soll der Diskriminierung von HIV-positiven Menschen entgegenwirken.

Die Kampagne transportiert ihre Botschaft sowohl über Informationsmaterialien wie Plakate, Leporellos und Postkarten sowie online, etwa über die sozialen Medien.

Gemeinsame Online-Angebote der Kampagnenpartner BZgA, DAH und DAS zum Welt-Aids-Tag und der Kampagne "Leben mit HIV. Anders als du denkst." finden Sie unter welt-aids-tag.de.

In Nordrhein-Westfalen waren im Jahr 2020 nach Schätzungen des Robert Koch-Institutes (RKI) 440 Neuinfektionen zu verzeichnen. Dies sind etwa 55 Infektionen weniger als im Jahr 2019. Ca. 350 Personen sind Männer (Veränderung zu 2019: -65), etwa 85 Personen Frauen (Veränderung zu 2019: +10).

Rund 250 Personen haben sich über mann-männlichen Sex infiziert (Veränderung zu 2019: -60). Etwa 110 Personen haben sich über heterosexuelle Kontakte infiziert (Veränderung zu 2019: +5). Rund 75 Personen haben sich über i.v. Drogengebrauch infiziert (Veränderung zu 2019: -5).

Am Ende des Jahres 2020 lebten rund 21.100 (Schwankungsbreite: 19.800 - 22.800) Menschen mit HIV oder Aids in NRW. Etwa 17.200 sind männlich, etwa 4.080 weiblich. Der Anteil der Menschen mit HIV, die von ihrer Infektion wussten, betrug 90 Prozent (2019: 87 Prozent). Der Anteil der Menschen mit HIV, die von ihrer Infektion wussten und eine antiretrovirale Therapie erhielten, stieg von 96 Prozent (2019) auf 97 Prozent (2020).

HIV-Erstdiagnosen wurden in NRW im Jahr 2020 schätzungsweise 630 (Veränderung zu 2019: -50) gestellt, etwa 230 davon erst bei fortgeschrittenem Immundefekt (Veränderung zu 2019: +10). Von den 230 Personen wiesen 130 bereits Aids-definierende Erkrankungen auf (Veränderung zu 2019: +20). 2020 gab es etwa 100 Todesfälle bei HIV-Infizierten.


HIV und Corona

Im Jahr 2020 haben sich durch die SARS-CoV-2-Pandemie bundesweit die Rahmenbedingungen für Sexualkontakte und für HIV-Testungen massiv verändert. Die Modellierung ist nicht in der Lage, zwischen einer Verminderung der Zahl von Neuinfektionen durch Einschränkung von Sexualkontakten und einer Verminderung von Neudiagnosen durch verminderte Inanspruchnahme von Routinekontrolluntersuchungen zu unterscheiden.


Hinweise und Empfehlungen

Das RKI weist darauf hin, dass ein Teil des Rückgangs der Neuinfektionen wahrscheinlich zum Teil Ergebnis von Pandemie-bedingten Verhaltensänderungen wie einer Verminderung von Sozial- und damit auch Sexualkontakten. Es ist nicht davon auszugehen, dass diese Verhaltensänderungen sich über die Pandemie hinaus fortsetzen werden. Es wäre daher nicht überraschend, wenn die Zahl der HIV-Neuinfektionen nach der Pandemie wieder anstei-
gen würde.

Der Anteil der Menschen mit HIV, die eine wirksame antiretrovirale Behandlung erhalten und in der Regel nicht mehr infektiös sind, nimmt zu. Die vergleichsweise positivere Entwicklung bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), ist wahrscheinlich in erster Linie darauf zurückzuführen, dass es in dieser Gruppe gelungen ist, die Testbereitschaft zu steigern und die Testangebote auszuweiten. Außerdem wirkt sich die Empfehlung zu einem sofortigen Behandlungsbeginn positiv aus.

  • Die Empfehlung, Kondome zu benutzen bleibt nach wie vor ein Grundpfeiler der HIV-/STI-Prävention. Eingegangene Risiken sollten zeitnah durch einen HIV- oder STI-Test abgeklärt werden. Die Sicherstellung einer ausreichenden Versorgung von intravenös Drogenkonsumierenden mit sterilen Injektionsutensilien wäre wahrscheinlich die kosteneffektivste Maßnahme zur Verhinderung von HIV- (und auch Hepatitis-) Neuinfektionen in dieser Personengruppe.
  • Mit der HIV-PrEP steht ein zusätzliches und wirksames Instrument zur Verhinderung von HIV-Neuinfektionen zur Verfügung. Für eine nachhaltige Reduktion von Neuinfektionen bei MSM mit Hilfe der PrEP müsste eine aktivere Ansprache und Identifizierung von Personen erfolgen, die von einer PrEP profitieren könnten.
  • Die Analysen zu HIV-Neudiagnosen bei MSM legen nahe, dass es in den Großstädten mit über 500.000 Einwohner*innen durch verbesserte Testangebote und erhöhte Testbereitschaft gelungen ist, nicht nur die Zahl der frischen HIV-Diagnosen, sondern auch die Zahl der Spätdiagnosen zu reduzieren.
  • Das Testangebote und die Testbereitschaft sind in den letzten beiden Jahren durch die COVID-19-Pandemie eher negativ beeinflusst worden. Durch eine Ausweitung und aktivere Bewerbung von HIV-Einsende- und HIV-Selbsttests könnte dem entgegengewirkt werden. Einsende- und Selbsttests könnten auch helfen, die Testlücken in ländlichen Regionen und Städten mit weniger als 500.000 Einwohner*innen zu verkleinern.
  • Niedergelassene Ärzt*innen sollten Tests auf HIV und andere STI entsprechend der Leitlinien anbieten, bei Symptomatik, die auf HIV zurückführbar sein könnte, aktiv einen HIV-Test empfehlen, und dem aktiv geäußerten Wunsch auf HIV-Testung nach Möglichkeit entsprechen. Relevant sind hier die Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften und die „Empfehlung der Landeskommission AIDS (NRW) zur Verbesserung der Prävention von HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten sowie zur Erleichterung des Zugangs zu STI-Untersuchungen bei entsprechenden Anlässen“.
  • Zwar ist für die überwiegende Mehrzahl der in Deutschland lebenden Menschen mit HIV der Zugang zu einer HIV-Behandlung kein wesentliches Problem, für Menschen ohne Papiere und für einzelne Personen aus anderen Ländern der Europäischen Union ohne gültige Krankenversicherung gibt es aber keinen geordneten Zugang zu einer angemessenen HIV-Behandlung. Aus individualmedizinischer und aus Public-Health-Sicht sollten alle in  Deutschland lebenden Menschen mit HIV die Möglichkeit eines Zugangs zu einer Behandlung erhalten.


Mehr lesen Sie in den RKI-Eckdaten für NRW 2020. Die Eckdaten für Deutschland und die anderen Bundesländer finden Sie unter rki.de. Ausführliche Details zur Situation in Deutschland und Nordrhein-Westfalen im Jahr 2020 finden Sie im Epidemiologischen Bulletin 47/2021 des Robert Koch-Institutes.

Eine Pressemeldung der Deutschen Aidshilfe zum Thema finden Sie unter presseportal.de.

Deutschlandweit waren im Jahr 2020 nach Schätzungen des Robert Koch-Institutes 2.000 HIV-Neuinfektionen zu verzeichnen. Dies sind etwa 290 Infektionen weniger als 2019. Ca. 1.600 Personen sind Männer (Veränderung zu 2019: -310), etwa 420 Personen Frauen (Veränderung zu 2019: +15). Rund 1.100 Personen haben sich über mann-männlichen Sex infiziert (Veränderung zu 2019: -300). Etwa 530 Personen haben sich über heterosexuelle Kontakte infiziert (Veränderung zu 2019: -15). Rund 370 Personen haben sich über i.v. Drogengebrauch infiziert (Veränderung zu 2017: +25). Die Mutter-Kind-Übertragungen lagen unter 10.

Am Ende des Jahres 2020 lebten rund 91.400 (Schwankungsbreite: 85.600 – 98.000) Menschen mit HIV oder Aids in Deutschland. Etwa 73.700 sind männlich, etwa 17.800 weiblich. Der Anteil der Menschen mit HIV, die Ende 2020 von ihrer Infektion wussten, beträgt 90 Prozent. Der Anteil der Menschen mit HIV, die von ihrer Infektion wussten und in Behandlung waren, beträgt 97 Prozent.

HIV-Erstdiagnosen wurden in Deutschland im Jahr 2020 schätzungsweise 2.600 gestellt, etwa 900 davon erst bei fortgeschrittenem Immundefekt. Von den 900 Personen wiesen 460 bereits Aids-definierende Erkrankungen auf. 2020 gab es etwa 380 Todesfälle bei HIV-Infizierten.

Die Eckdaten für Deutschland und die anderen Bundesländer finden Sie unter rki.de. Ausführliche Details zur Situation in Deutschland und Nordrhein-Westfalen im Jahr 2020 finden Sie im Epidemiologischen Bulletin 47/2021 des Robert Koch-Institutes.

Eine Pressemeldung der Deutschen Aidshilfe mit dem Titel "Erfolge ausbauen, Versorgungslücken schließen" lesen Sie unter aidshilfe.de.

Eine Pressemeldung der Deutschen AIDS-Gesellschaft finden Sie untermit dem Titel "Zu viele späte HIV-Diagnosen" finden Sie unter daignet.de.

Aus dem Infektiologischen Jahrbuch 2020 des Robert Koch-Institutes (RKI) wissen wir, dass im Jahr 2020 dem RKI aus ganz Deutschland 2.454 HIV-Infektionen gemeldet wurden. Damit ist die Zahl der gemeldeten HIV-Neudiagnosen im Jahr 2020 deutlich auf den niedrigsten Stand seit 2005 zurückgegangen. Gegenüber dem Vorjahr (3.111) fiel die Anzahl um 657 (21 Prozent).


COVID-19-Pandemie

Nach der Einschätzung des RKI hat die COVID-19-Pandemie wesentlich zu diesem Rückgang beigetragen; die einzige Einflussgröße ist sie aber wahrscheinlich nicht.

Verschiedene Faktoren dürften dabei eine Rolle gespielt haben:

  1. ein Rückgang der Zahl der Sexualpartner*innen, insbesondere während des ersten Lockdowns im April/Mai 2020. Wie sich das Sexualverhalten im weiteren Verlauf des Jahres 2020 entwickelt hat, ist aber derzeit weitgehend unklar
  2. ein Rückgang von Testangeboten und Testnachfrage. Derzeit liegen allerdings noch keine Zahlen zu den im Jahr 2020 durchgeführten HIV-Testen vor. Es ist anzunehmen, dass die routinemäßige Testung von Schwangeren und die Testung von symptomatischen Personen in Kliniken und Praxen nur wenig beeinträchtigt war, die Zahl der Screening-Untersuchungen bei symptomlosen Personen vermutlich stärker
  3. ein Rückgang der Mobilität sowohl zwischen verschiedenen Ländern als auch innerhalb Deutschlands

Es ist zu befürchten, dass der Rückgang bei der HIV-Testung im Jahr 2020 zu einer steigenden Zahl noch nicht diagnostizierter HIV-Infektionen geführt haben könnte. Bei einer Normalisierung des Sexualverhaltens nach Abflauen der COVID-19-Pandemie könnte dies zu einer wieder steigenden Zahl von HIV-Neuinfektionen führen.


    HIV-Präexpositionsprophylaxe

    Ein weiterer Faktor, der zu einem Rückgang der HIV-Neudiagnosen beigetragen haben könnte, ist die vermehrte Nutzung der HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP), die seit September 2019 zu Lasten der Krankenkassen verschrieben werden kann. Mit den vorliegenden Daten sind COVID-19-Effekte und PrEP-Effekte allerdings schwer auseinanderzuhalten. Der vergleichbare Rückgang von HIV-Neudiagnosen bei MSM und bei Heterosexuellen spricht eher gegen einen starken PrEP-Effekt, weil die PrEP-Nutzung bei MSM sehr viel stärker verbreitet ist als bei Heterosexuellen, aber dies schließt vor allem lokale und regionale PrEP-Effekte nicht aus.


    Zunahme bei drogengebrauchenden Menschen

    Die absolute und prozentuale Zunahme von HIV-Neudiagnosen bei intravenös Drogen konsumierenden Personen ist schon seit 2013 zu beobachten und hat sich auch unter den Bedingungen der COVID-19-Pandemie weiter fortgesetzt.

    Europäische Union, Europäischer Wirtschaftsraum, WHO-Region Europa

    Obwohl laut dem European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) wahrscheinlich wesentlich weniger HIV-Tests in der WHO-Region Europa durchgeführt wurden, wurden im Jahr 2020 104.765 neu diagnostizierte HIV-Infektionen aus 46 der 53 Länder der Region gemeldet, darunter 14.971 aus Ländern der Europäischen Union (EU)/des Europäischer Wirtschaftsraumes (EWR). Dies entspricht einer Rate von 11,8 neu diagnostizierten Infektionen je 100.000 Einwohner*innen in der Region insgesamt.

    Der Trend der letzten zehn Jahre setzt sich fort, wobei die Raten und die Gesamtzahl der HIV-Diagnosen im Osten der Region am höchsten (32,6 pro 100.000 Einwohner*innen), niedriger im Westen und in der EU/im EWR (3,7 bzw. 3,3 pro 100.000) und am niedrigsten im Zentrum (2,3 pro 100.000) waren.

    Der Übertragungsweg variiert ebenfalls je nach geografischem Gebiet und verdeutlicht die Vielfalt in der Epidemiologie von HIV in Europa. Sexuelle Übertragung zwischen Männern war der häufigste Übertragungsweg in der EU/dem EWR und im Westen, während die heterosexuelle Übertragung und der injizierende Drogenkonsum die wichtigsten gemeldeten Übertragungswege im Osten der Region waren.

    Die HIV-Spätdiagnosen bleiben für die meisten Länder der Region eine Herausforderung. Der Prozentsatz der neu diagnostizierten Personen, die spät diagnostiziert wurden (CD4-Wert von weniger als 350/μl), variierte je nach Übertragungskategorie und Altersgruppen, war aber am höchsten bei Personen mit gemeldeter heterosexuellen Übertragung (56 %) und am niedrigsten bei Männern, die sich durch Sex mit Männern infiziert hatten (41 %). Der Prozentsatz nahm mit dem Alter zu und reichte von 33 % bei Personen, die bei der Diagnose 15-19 Jahre alt waren, bis zu 65 % bei Menschen im Alter von 50 Jahren oder mehr.

    Im Jahr 2020 wurde in der WHO-Region Europa bei 7.721 Menschen Aids diagnostiziert, was einer Rate von 1,2 pro 100.000 Einwohner*innen entspricht. In der EU/EWR wurden 1.760 Menschen im Jahr 2020 mit Aids diagnostiziert, was einer Rate von 0,5 pro 100.000 Einwohner*innen entspricht.

    Den Bericht des ECDC finden Sie unter ecdc.europa.eu.

    Mehr zur WHO-Region Europa lesen Sie unter Aktuelles.

    Laut UNAIDS lebten im Jahr 2020 weltweit 37,7 Millionen Menschen mit HIV. Davon hatten zum Stichtag 30. Juni 2021 28,2 Millionen Menschen mit HIV Zugang zu einer antiretroviralen Therapie. 1,5 Millionen Menschen haben sich im Jahr 2020 neu mit HIV infiziert. 680 000 Menschen starben im Jahr 2020 an Aids-bedingten Krankheiten. Weitere Daten zum Jahr 2020 finden Sie unter unaids.org.


    UNAIDS warnt vor Millionen Aids-bedingten Todesfällen

    UNAIDS warnt am 29. November 2021 eindringlich, dass weltweit in den nächsten zehn Jahren mit 7,7 Millionen Aids-bedingten Todesfällen gerechnet werden muss, wenn die Staats- und Regierungschef*innen dieser Erde nicht gegen Ungleichheiten vorgehen. UNAIDS warnt auch davor, dass die Welt in der COVID-19-Krise gefangen bleiben und auf die kommenden Pandemien gefährlich unvorbereitet sein wird, wenn die für die Beendigung von Aids erforderlichen transformativen Maßnahmen nicht ergriffen werden.


    Nicht entweder COVID-19 oder HIV, sondern COVID-19 und HIV müssen im Focus stehen

    "Dies ist ein dringender Aufruf zum Handeln", sagt UNAIDS-Exekutivdirektor Winnie Byanyima. Die Bekämpfung der Aids-Pandemie ist durch Corona vom Weg abgekommen und steht jetzt unter noch größerem Druck, da die COVID-19-Krise weiter andauert und HIV-Präventions- und Behandlungsdienste, Bildung, Gewaltpräventionsprogramme und vieles mehr beeinträchtigt sind. "Wir sind nicht gezwungen, zwischen der Beendigung der Aids-Pandemie heute und der Vorbereitung auf die Pandemien von morgen zu wählen. Der einzig erfolgreiche Ansatz wird beides erreichen", ergänzt Winnie Byanyima.


    Ungleichheiten prägen das Bild

    Diese Warnung findet sich in dem neuen Bericht von UNAIDS, der im Vorfeld des Welt-AIDS-Tages veröffentlicht wurde und den Titel "Ungleich, unvorbereitet, bedroht" trägt.

    Einige Länder, darunter einige mit den höchsten HIV-Raten, haben bemerkenswerte Fortschritte bei der Aids-Bekämpfung gemacht, die zeigen, was möglich ist. Allerdings gehen die HIV-Neuinfektionen weltweit nicht schnell genug zurück, um die Pandemie zu stoppen. Für 2020 werden 1,5 Millionen neue HIV-Infektionen erwartet, und in einigen Ländern steigen die HIV-Infektionsraten. Die Infektionen verlaufen auch entlang von Ungleichheitslinien. Sechs von sieben HIV-Neuinfektionen unter Jugendlichen in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara treten bei heranwachsenden Mädchen auf. Schwule Männer und andere Männer, die Sex mit Männern haben, Sexarbeiter*innen und Menschen, die Drogen konsumieren, haben weltweit ein 25- bis 35-mal höheres Risiko, sich mit HIV zu infizieren.

    COVID-19 untergräbt vielerorts die Aids-Bekämpfung. In 40 von 50 Ländern, die UNAIDS Bericht erstatten, ist die Zahl der HIV-Tests zurückgegangen, und weniger Menschen mit HIV haben im Jahr 2020 eine Behandlung begonnen. Die HIV-Präventionsdienste wurden beeinträchtigt - in 65 Prozent der 130 untersuchten Länder konnten die Maßnahmen zur Schadensminimierung für Drogenkonsument*innen nicht kontinuierlich angeboten werden.


    Nur gemeinschaftliches Handeln wird Aids beenden

    "Es ist immer noch möglich, die Epidemie bis 2030 zu beenden", bekräftigte der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, in seiner Botschaft zum Welt-Aids-Tag. "Dazu sind jedoch verstärkte Maßnahmen und mehr Solidarität erforderlich. Um Aids zu besiegen - und Widerstandskraft gegen die Pandemien von morgen aufzubauen - brauchen wir kollektives Handeln".


    Neue globale Ziele für 2025

    Die für 2020 unter den Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen vereinbarten globalen 90-90-90-Ziele (90 Prozent der Menschen mit HIV sollten bis 2020 ihre HIV-Diagnose kennen, davon 90 Prozent eine antiretrovirale Therapie erhalten und wiederum davon 90 Prozent erfolgreich behandelt sein, also eine HIV-Viruslast unter der Nachweisgrenze haben) wurden nicht erreicht.

    Internationale Zielvorgabe bleibt es dennoch, Aids bis 2030 zu beenden. Auf dem Weg dahin wurden nun neue Zwischenziele bis 2025 ausgerufen, die deutlich stärker als zuvor auch soziale Ungleichheit und gesellschaftliche Diskriminierung als wesentliche Barrieren benennen. Diese behindern Erfolge vor allem in den sogenannten Schlüsselgruppen (key populations) wie Männer, die Sex mit Männern haben, Sexarbeiter*innen, drogengebrauchende Menschen, Menschen in Haft und trans*Menschen.


    Die Pressemeldung von UNAIDS finden Sie unter unaids.org.

    Den Welt-Aids-Tags-Bericht "Unequal, unprepared, under threat: why bold action against inequalities is needed to end AIDS, stop COVID-19 and prepare for future pandemics" finden Sie unter unaids.org.

    Menschen mit einer HIV-Infektion und einer nicht nachweisbaren Viruslast unter Therapie können das Virus sexuell nicht übertragen. Darauf weist die Landeskommission AIDS NRW mit ihrem Statement "n = n: nicht nachweisbar = nicht übertragbar" hin.

    Die Landeskommission AIDS berät die Landesregierung Nordrhein-Westfalen in grundsätzlichen Fragen der Weiterentwicklung von Maßnahmen zur Eindämmung von AIDS. Die Mitglieder der Kommission sind Vertreterinnen und Vertreter von Institutionen, Verbänden und Vereinen, die direkt oder indirekt mit der Prävention, Beratung, Betreuung und Versorgung von Menschen mit HIV und AIDS befasst sind – zum Beispiel Ärztekammern, Kassenärztliche Vereinigungen, Wohlfahrtsverbände, kommunale Spitzenverbände, Aids- und Drogen-Selbsthilfe.


    n = n: HIV wird unter wirksamer Therapie auch beim Sex ohne Kondom nicht übertragen

    Eine HIV Infektion ist nicht heilbar, aber behandelbar. Das bedeutet, dass bei rechtzeitiger Diagnose und wirksamer Therapie Aids verhindert werden kann und ein langes Leben mit HIV möglich ist. Außerdem ist belegt, dass bei wirksamer Therapie die Anzahl der Viren soweit reduziert (unterhalb der Nachweisgrenze) werden kann, dass HIV auch bei Sex ohne Kondom nicht übertragen wird. Voraussetzung dafür ist eine dauerhafte Therapietreue.

    Die Ergebnisse der PARTNER-Studien (Partners of people on ART: a New Evaluation of the Risks) belegen, dass bei einer Viruslast unter der Nachweisgrenze keine HIV-Übertragungen stattgefunden haben. Dies schließt Daten zu schwulen Männern sowie zu Paaren, die Analverkehr praktizieren, ein.


    n = n: Auf natürlichem Wege Kinder zeugen und Kinder bekommen

    Ebenso bedeutet dies, dass unter antiretroviraler Therapie Menschen mit HIV Kinder zeugen und Frauen mit HIV HIV-negative Kinder gebären können, ohne auf Inseminationsmethoden beziehungsweise Kaiserschnitt zurückgreifen zu müssen.


    n = n: Ermutigung für Menschen mit HIV

    Die Landeskommission will mit der Botschaft n = n Menschen mit HIV ermutigen, Scham und Angst abzulegen und an der Gesellschaft teilzuhaben wie andere Menschen auch. Die Landeskommission hofft, dass die Verbreitung der Botschaft n = n zum Abbau von Diskriminierung und Stigmatisierung in der Gesellschaft und dem Gesundheitssystem beiträgt, und damit den Zugang zu Test und Behandlung verbessert.


    Das gesamte Statement lesen Sie unter mags.nrw oder hier.
    Die Mitglieder der Landeskommission AIDS finden Sie unter mags.nrw.
    Mehr zu n = n lesen Sie auch in unserem Spotlight n=n.

    Die rote Schleife symbolisiert weltweit Solidarität mit Menschen mit HIV/AIDS. Im Frühjahr 1991 entwickelte Visual AIDS in New York die Idee für ein globales Symbol im Kampf gegen die Immunschwäche AIDS.

    Ein Symbol für Solidarität und Toleranz gegenüber den von der Gesellschaft häufig ausgegrenzten HIV-Positiven und AIDS-Kranken. Seit der Nutzung der roten Schleife in Deutschland im Jahr 1993 wurden hier viele Millionen roter Schleifen verteilt.