Arbeitsgemeinschaft AIDS-Prävention NRW

Spotlight: MPX-Viren ("Affenpocken")

Foto: Andrea Männel, Andrea Schnartendorff / RKIDie Deutsche Aidshilfe berichtete am 20. Mai 2022, dass immer mehr europäische Länder Infektionen mit dem MPX-Virus melden. Expert*innen warnen zugleich vor Panik: Die Erkrankung verläuft in der Regel milde.

Infektionen können laut Robert Koch-Institut (RKI) durch Kontakt mit Sekreten infizierter Tiere übertragen werden. Mensch-zu-Mensch-Übertragungen (durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten oder Krusten) mit limitierten Infektionsketten von bis zu sechs Personen sind beschrieben, zum Beispiel im Rahmen der Krankenversorgung. Auch die Übertragung von Pockenviren im Rahmen sexueller Handlungen ist möglich.


Die wichtigsten Botschaften lauten:

  1. Symptome ärztlich untersuchen lassen
  2. Stigmatisierung vermeiden


Die aktuelle Anzahl der aus ganz Deutschland an das RKI übermittelten Fälle finden Sie unter rki.de. Bisher sind vor allem Männer, die sexuelle Kontakte mit Männern hatten, betroffen; die MPX-Viren können prinzipiell aber jeden betreffen. Auch in Nordrhein-Westfalen gibt es bestätigte Fälle.

Bei den meisten Menschen mit gesundem Immunsystem scheinen die MPXV-Infektionen einen milden bis sehr milden Verlauf zu nehmen. Das RKI schätzt die Gesundheitsgefährdung für die breite Bevölkerung derzeit als gering ein. Nur in sehr seltenen Fällen kommt es zu schweren Verläufen.

Bislang sind keine gesicherten Aussagen darüber zu treffen, wie gefährlich die MPXV-Infektionen für Menschen mit HIV sind. Es scheint aber plausibel, dass HIV-Positive unter funktionierender Therapie und gutem Immunstatus nicht gefährdeter sind als andere. Bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem könnte ein höheres Infektionsrisiko und ein höheres Risiko für einen schwereren Verlauf bestehen. Hierzu fehlen bislang aber belastbare Daten.


UNAIDS und WHO warnen vor Stigmatisierung

UNAIDS hat seine Besorgnis darüber geäußert, dass in einigen öffentlichen Berichten und Kommentaren über die MPXV-Infektionen Sprache und Bilder verwendet wurden, insbesondere Darstellungen von LGBTI- und afrikanischen Menschen, die homophobe und rassistische Stereotypen verstärken und die Stigmatisierung verschlimmern. Die Lehren aus der Aids-Bekämpfung zeigen, dass Stigmatisierung und Schuldzuweisungen an bestimmte Personengruppen die Reaktion auf einen Ausbruch schnell untergraben können.

UNAIDS fordert Medien, Regierungen und Communities auf, mit einem auf Rechten und Fakten basierenden Ansatz zu reagieren, der Stigmatisierung vermeidet. Mehr lesen Sie unter unaids.org.

Eine kurze Reflexion des Begriffes "Affenpocken" und seiner negativen Assoziationen, sowie der Hinweis, dass Wissenschaftler*innen deshalb immer öfter den Fachbegriff MPX-Viren benutzen, finden Sie am Schluss eines Artikels im Tagesspiegel. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat bereits 2015 Leitlinien zur Benennung neuer menschlicher Krankheiten herausgegeben. Die WHO empfiehlt darin, zum Beispiel Länder- oder Tiernamen nicht zur Benennung von Infektionen oder Erkrankungen zu verwenden, um unter anderem die Diskriminierung kultureller, sozialer, nationaler, regionaler, beruflicher oder ethnischer Gruppen zu vermeiden. Deshalb arbeitet die WHO derzeit an einer neuen Bezeichnung für das Virus und die Erkrankung.


Informationen

Eine Liste der Deutschen Aidshilfe mit häufig gestellten Fragen finden Sie unter aidshilfe.de. Alle wichtigen Informationen für schwule cis und trans Männer sowie andere Männer, die Sex mit Männern haben, finden Sie auf der Webseite der Ich-weiss-was-ich-tu-Kampagne der Deutschen Aidshilfe.

Eine Liste des RKI mit häufig gestellten Fragen zu Übertragung, Symptomen, Diagnostik und Behandlung und Prävention/Schutz des RKI finden Sie unter rki.de. Weitere Informationen des RKI für Fachpersonal in der medizinischen Versorgung, u.a. zu Hygiene, Isolierung und Behandlung, finden Sie unter rki.de.

Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hält Informationen für die Bürger*innen bereit unter infektionsschutz.de.

Die PoxApp der Berliner Charité richtet sich an Personen, die vermuten, dass sie sich mit dem MPX-Virus infiziert haben. Nach der Beantwortung eines anonymen Fragebogens (Dauer: max. 5 min.) gibt die App eine Einschätzung ab, ob eine Infektion wahrscheinlich oder weniger wahrscheinlich ist, und gibt konkrete Handlungsempfehlungen, wie zum Beispiel die telefonische Kontaktaufnahme mit dem*der Hausärzt*in. Die App finden Sie unter poxapp.charite.de.


Impfung

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat am 21.06.2022 eine Impfempfehlung erarbeitet. Eine kompakte Zusammenfassung der Empfehlung und wichtige Informationen zur derzeitigen Verfügbarkeit (Stand: 21.06.2022) finden Sie unter aidshilfe.de. Fragen und Antworten des RKI zum Thema finden Sie unter rki.de.

Laut verschiedener Medienberichte wurden am 17.06.2022 7.300 Impfdosen an das Land Nordrhein-Westfalen geliefert. Der Impfstoff muss bei minus 20 Grad gelagert und transportiert werden; nach dem Auftauen muss die Verimpfung schnell erfolgen. Sollte es in den kommenden Tagen aus medizinischen Gründen geboten sein, Einzelpersonen zu impfen, kann dies im Rahmen einer ärztlichen Einzelfallentscheidung an den Universitätskliniken in NRW erfolgen. An einem weiteren Verteilsystem wird gearbeitet. Die Stadt Köln informiert über den Stand vom 24. Juni 2022 unter stadt-koeln.de. Die Universitätsklinik Köln informiert unter innere1.uk-koeln.de.


Stellungnahme der Deutschen AIDS-Gesellschaft und weiterer medizinischer Fachgesellschaften

Am 27. Mai 2022 haben die Deutsche AIDS-Gesellschaft und weitere medizinische Fachgesellschaften Stellung genommen. Sie empfehlen hinsichtlich des Ausbruchsmanagements durch nicht-pharmakologische Interventionen die zielgruppenspezifischen und Lebenswelt-akzeptierende Aufklärung und Information ("awareness" bei potentiell Betroffenen und medizinischem Personal).

  • Insbesondere nicht Pocken-geimpfte Personen ohne Impfbescheinigung oder Impfnarben sollen Kontakte zu wechselnden Sexualpartner*innen oder das Teilen von Betten und Kleidung meiden.
  • Gesichert Infizierte sollen für die Dauer von 21 Tagen in wirksamer Isolation verbleiben. Eine stationäre Krankenhausbehandlung nur aus Isolationsgründen ist nicht erforderlich, primär sollten stationäre Aufnahmen aus medizinischen Gründen bei schweren klinischen Verläufen oder drohenden Komplikationen erfolgen.
  • Kontaktpersonen mit relevantem Infektionsrisiko und Verdachtsfälle sollen sich während der Inkubationszeit bzw. bis zum sicheren Ausschluss der Infektion in Quarantäne begeben.
  • Medizinisches Personal soll bei Versorgung der vorgenannten Personengruppen geeignete Schutzkleidung (Maske, Handschuhe, Kittel) tragen.

Ebenso geht die Stellungnahme auf die Themen Impfung und Behandlung ein. Mehr lesen Sie unter daignet.de.