Newsletter AG Aidsprävention - HIV/STI in NRW
September 2026
Liebe Kolleg*innen, liebe Kooperationspartner*innen,
unsere Vorbereitungen für den Fachtag „HIV/STI-Versorgung von Frauen in NRW“ laufen auf Hochtouren. Das Eingabefenster für die Fachdatenerhebung ist geschlossen und wir freuen uns, bald die Ergebnisse vorstellen zu können. Der Sommer war nicht nur durch Hitzewellen geprägt, sondern auch durch den brutalen Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin. Dieser war nicht nur ein Angriff auf Menschen, sondern ein gezielter Angriff auf die Queere Community, auf queeres Leben, auf Sichtbarkeit und auf die Werte einer offenen und demokratischen Gesellschaft. Dem stellen wir uns entschieden entgegen. Prävention und Zugang zu Versorgung kann nur in einer offenen, vielfältigen und solidarischen Gesellschaft gelingen. Kooperationen und Vernetzungen sind Schlüsselelemente gelingender Präventionsarbeit.
Wir haben aktuelle Nachrichten zusammengestellt, die wir teilen möchten. Gerne nehmen wir auch Informationen entgegen, die von allgemeinem Interesse für den Fachbereich sind. Diese nehmen wir gerne per E-Mail entgegen: info@aids-nrw.de.
Aktuelles aus der AG Aidsprävention – HIV/STI in NRW
Umfrage HIV/STI-Angebote für Frauen in NRW
Die AG Aidsprävention – HIV/STI in NRW braucht Sie: Wir machen eine Umfrage, die dazu dient, einen Überblick über die Angebote im HIV/STI-Kontext für Frauen in NRW zu bekommen. Sie richtet sich an alle Einrichtungen, die solche Angebote haben oder einrichten möchten. Die Ergebnisse werden auf dem Fachtag "HIV/STI-Versorgung von Frauen in NRW", der am 23. September im Gesundheitsamt Dortmund stattfindet, präsentiert. Bitte nehmen Sie sich zehn Minuten Zeit. Sie helfen uns dabei, Angebote zu identifizieren und zu verbessern und weitere Bedarfe zu ermitteln. Die Umfrage endet am Montag, 14. September. Die Umfrage finden Sie unter aids-nrw.de.
Infos und News
MPox - Sperma begünstigt Infektion
Ursprünglich wurden MPox-Viren überwiegend vom Tier auf den Menschen übertragen. In den vergangenen Jahren verbreiten sich neue Virusvarianten jedoch immer besser auch von Mensch zu Mensch. Forschende der Goethe-Universität und der Universitätsmedizin Frankfurt haben jetzt festgestellt, dass Samenflüssigkeit die Aufnahme von MPox in die Zellen erleichtert. Dazu infizierten die Forschenden Bindegewebszellen (Fibroblasten) und Oberhautzellen (Keratinozyten) mit MPox-Viren. Waren die Viren zuvor mit Samenflüssigkeit vermischt worden, förderte dies die Aufnahme des Erregers in die Zellen. Eine Analyse der Samenflüssigkeit zeigte, dass dafür bestimmte, natürlich vorkommende Eiweißbruchstücke in der Samenflüssigkeit verantwortlich sind, die Fasern bilden und dadurch dem MPox-Virus das Andocken an menschliche Zellen erleichtern. Infos zur Studie gibt es auf hiv&more.
HIV-PrEP - PrEP Survey des RKI
Die retrospektive Befragung von 29 HIV-Schwerpunktzentren des dagnä-Netzwerks in zehn Bundesländern ergab, dass im Jahr 2025 insgesamt 130.452 Personen in den Zentren behandelt wurden, darunter 28.537 Menschen mit HIV und 19.264 PrEP-Nutzende. Insgesamt wurden 300 HIV-Neudiagnosen erfasst; 17 davon (5,7 % aller berichteten HIV-Erstdiagnosen) erfolgten zeitlich nach der PrEP-Einleitung. Eine HIV-Infektion unter PrEP-Nutzung bleibt weiterhin ein sehr seltenes Ereignis. Die Zentren schätzten, dass im Jahr 2025 durchschnittlich 87,4 % der PrEP-Nutzenden gesetzlich, 12,4 % privat und 0,2 % gar nicht krankenversichert waren. In 22 Zentren wurden keine Patient*innen ohne Krankenversicherung versorgt, in sieben Zentren hatten jeweils 1 % der Patient*innen keine Krankenversicherung. Für Long-Acting PrEP wurde insbesondere das Potenzial zur Reduktion von Stigmatisierung im Zusammenhang mit HIV, zur Verbesserung der Adhärenz, zur Erleichterung des Zugangs für vulnerable Gruppen sowie für eine höhere Akzeptanz bei PrEP-Nutzenden gesehen. Für nahezu alle abgefragten Zielgruppen wurde die Bedeutung der Long-Acting PrEP positiv bewertet. Die vollständigen Ergebnisse gibt es beim RKI.
RKI: Epidemiologie von Hepatitis-C-Virus-infektionen in Deutschland im Jahr 2025
Hepatitis-C-Virus-(HCV-)Infektionen verursachen trotz verfügbarer kurativer Therapie weiterhin eine erhebliche globale Krankheitslast. Im weltweiten Vergleich zählt Deutschland zu den Ländern mit einer niedrigen Prävalenz aktiver HCV-Infektionen. Bestimmte Bevölkerungsgruppen sind jedoch weiterhin überproportional betroffen. Hierzu gehören insbesondere Menschen mit injizierendem Drogenkonsum, mit Migrationsgeschichte aus Hochprävalenzländern, in Haft, in Wohnungslosigkeit sowie Männer, die Sex mit Männern haben. Im Jahr 2025 wurden insgesamt 8.085 HCV-Infektionen mit erfüllter Referenzdefinition an das Robert Koch-Institut übermittelt. Gegenüber dem Vorjahr ging die Zahl der übermittelten Fälle um 16 % zurück. Ähnlich wie in den vergangenen Jahren machten die 30- bis 59-jährigen Männer mit 48 % fast die Hälfte der Gesamtzahl der übermittelten HCV-Infektionen aus. Als häufigster wahrscheinlicher Übertragungsweg wurde intravenöser Drogenkonsum (62 % der Fälle mit Angaben zum Übertragungsweg) angegeben. Alle Daten gibt es im Epidemiologischen Bulletin 30/26.
RKI: Kurzleitfaden zu institutionellen Lernprozessen – Planung, Durchführung von Intra- und After-Action-Reviews während und nach epidemisch bedeutsamen Lagen für den Öffentlichen Gesundheitsdienst
Intra- und After-Action-Reviews (IAR/AAR; Action-Reviews) sind strukturierte Reflexionsprozesse, bei denen Beteiligte während oder nach einem Ereignis, bspw. einer epidemisch bedeutsamen Lage, eines Ausbruchs oder einer Impfkampagne, analysieren, was gut und was weniger gut funktioniert hat. Ziel ist es, aus den Erfahrungen zu lernen, Herausforderungen, Lücken und bewährte Vorgehensweisen zu identifizieren, evidenzbasierte Empfehlungen abzuleiten und dadurch die Bewältigung ähnlicher Ereignisse künftig zu verbessern. Dabei geht es ausdrücklich nicht um Schuldzuweisungen oder Bewertungen einzelner Leistungen oder Gruppen. Action-Reviews sind flexibel einsetzbar und eignen sich für die Analyse von Maßnahmen zur Bewältigung unterschiedlichster Ereignisse im Bereich der öffentlichen Gesundheit. Den Leitfaden finden Sie unter rki.de.
HIV heilen? Wo die Forschung heute steht.
Schlagzeilen zur Heilung von HIV tauchen regelmäßig auf. Mal geht es um Gentherapie, mal um Antikörper oder um gentechnisch veränderte Immunzellen. Für Menschen mit HIV können solche Meldungen Hoffnung machen, manchmal aber auch verwirrend sein. Ist eine Heilung tatsächlich in greifbarer Nähe? Oder werden Erwartungen geweckt, die die Forschung noch gar nicht erfüllen kann? Eine Einordnung von Siegfried Schwarze gibt es im magazin.hiv.
MAGEF: Muslimisches Aufklärungs- und Gesundheitsförderungsnetzwerk
Dieser Flyer bietet Informationen über das Muslimische Aufklärungs- und Gesundheitsförderungsnetzwerk (MAGEF), seine Angebote und die Möglichkeit der partizipativen Zusammenarbeit und Vernetzung: aidshilfe.de.
Trauer um Michael Jähme
Die Aidshilfe NRW trauert um Michael Jähme. Der langjährige Aktivist, ehemalige Landesvorsitzende und Ehrenmitglied der Aidshilfe NRW ist am 13. August 2026 im Alter von 67 Jahren infolge eines Bergunfalls gestorben. Mit Michael Jähme verliert die Aidshilfe- und Schwulenbewegung in Nordrhein-Westfalen eine engagierte, streitbare und prägende Stimme. Über Jahrzehnte hat er die Entwicklung der Aidshilfe, der Positivenselbsthilfe und der schwulen Selbstvertretung mitgestaltet und sich konsequent gegen Stigmatisierung und Diskriminierung eingesetzt. Einen Nachruf gibt es auf nrw.aidshilfe.de.
Aktuelles zur Fachdatenerhebung.NRW
Ergebnispräsentation Fachdatenerhebung.NRW
Mittwoch, 04.November 2026: Save the date - 13:00-14:00 Uhr Online-Veranstaltung. Das BQS - Institut für Qualität und Patientensicherheit GmbH und die AG Aidsprävention stellen die Ergebnisse der Fachdatenerhebung.NRW des Erhebungsjahres 2025 vor. Der Link zur Zoom-Veranstaltung wird Mitte Oktober bekanntgegeben.
Freischaltung Erhebungsjahr 2026
Für die Einrichtungen, die ihre Daten im laufenden Kalenderjahr eingeben möchten, ist das Erhebungsjahr 2026 seit einiger Zeit freigeschaltet worden.
Stephan Gellrich und Christian Zacharias