Überblick HIV-Neuinfektionen 2024
Das Robert-Koch-Instituts (RKI) berichtet im neuesten Epidemiologischen Bulletin 47/2025 sowie den Eckdaten der Schätzungen für Deutschland und das Land Nordrhein-Westfalen über die Schätzungen der HIV-Neuinfektionen für das Jahr 2024.
Für das Jahr 2024 wird die Anzahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland auf etwa 2.300 ge-schätzt, was etwa 200 Neuinfektionen mehr sind als 2023. Die Hauptbetroffenengruppen sind Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) mit ca. 1.300 (+100) Neuinfektionen, Menschen mit injizierendem Drogengebrauch (PWID) mit ca. 400 (+60) sowie heterosexuelle Kontakte mit etwa 590 (+ 45) Neuinfektionen. Der Anteil der Frauen liegt bei etwa 510 (+60) Infektionen. Die Schät-zungen zeigen damit einen leichten Anstieg bei allen drei Hauptübertragungswegen.
In NRW wurden 2024 etwa 450 (+15) Neuinfektionen geschätzt, aufgeteilt in ca. 260 (+5) bei MSM, 100 (+5) bei heterosexuellen Kontakten und 90 (+15) bei Personen mit i.v. Drogengebrauch. In die-ser Gruppe steigen die geschätzten Neuinfektionszahlen seit 2010 langsam aber kontinuierlich an.
Die Altersverteilung zeigt, dass die Anzahl und Altersstruktur der unter 40-Jährigen mit HIV in Deutschland seit 30 Jahren nahezu unverändert geblieben ist, während die Zahl der über 40-Jährigen kontinuierlich steigt. Zurückzuführen ist dies auf der einen Seite auf einen gestiegenen Anteil an Neuinfektionen in höheren Altersgruppen, aber auch auf die deutlich geminderte Sterblichekeit durch die antiretrovirale Therapie (ART).
Ende 2024 lebten in Deutschland geschätzt etwa 97.700 Menschen mit HIV, davon ca. 22.300 in NRW. Der Anteil der Menschen mit HIV, die von ihrer Infektion wissen, liegt bundesweit bei etwa 92 Prozent, in NRW etwas darüber. Von den Diagnostizierten erhalten etwa 98 Prozent eine antiretrovirale Therapie, von denen ca. 96 Prozent erfolgreich therapiert werden, das heißt mit unter 200 Viruskopien/ml Blut.
Die flächendeckende Versorgung mit antiretroviralen Therapien ist in Deutschland weitgehend gewährleistet. Dennoch gibt es Personengruppen, insbesondere Menschen ohne Krankenversicherung oder mit unsicherem Aufenthaltsstatus, für die der Zugang zur Therapie erschwert ist.
Die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) spielt eine wichtige Rolle in der Prävention. Ende 2024 gab es in Deutschland etwa 40.000 PrEP-Nutzende, davon der überwiegende Teil MSM. Allerdings ist der Zugang zu PrEP in ländlichen Regionen und bei anderen Risikogruppen wie Frauen, Drogengebrauchenden oder Menschen aus trans* Communities noch ausbaufähig. Mehr zur PrEP finden Sie u.a. hier und hier.
Etwa 32 Prozent der HIV-Erstdiagnosen werden erst mit fortgeschrittenem Immundefekt und davon ein hoher Anteil (18 Prozent) erst im Vollbild Aids gestellt. Damit bleibt der Anteil der HIV-Diagnosen mit fortgeschrittenem Immundefekt konstant hoch: Die Anzahl der Spätdiagnosen steigt leicht bei MSM (2023: 420; 2024: 450) und PWID (2023:55; 2024:65), sinkt allerdings bei heterosexuellen Übertragungen (2023:140; 2024: 120).
Vor diesem Hintergrund hat die Landeskommission AIDS im Jahr 2024 eine Empfehlung veröffentlicht, die der Landesregierung und den Akteur*innen im Gesundheitswesen die Umsetzung konkreter Maßnahmen, die gesellschaftliche, strukturelle und medizinische Maßnahmen beinhalten empfiehlt. Die Empfehlung finden Sie hier.
Der Anstieg der HIV-Neuinfektionen zeigt laut RKI, dass weitere Anstrengungen nötig sind, um zielgruppenspezifische Testangebote und den Zugang zu Therapie und Prophylaxe in der Fläche zu verbessern. Gleichzeitig betont das RKI die Bedeutung der Kondomnutzung als Grundpfeiler der HIV-Prävention. Weitere zentrale Empfehlungen umfassen:
- Sicherstellung eines flächendeckenden Zugangs zu PrEP für Personen mit erhöhtem HIV-Risiko, einschließlich Frauen sowie Verbesserung in ländlichen Regionen und für Menschen ohne Krankenversicherung.
- Verbesserung des Zugangs zu sterilen Injektionsutensilien und Substitutionsbehandlungen für Personen mit i.V. Drogengebrauch, auch in Haft.
- Sicherstellung eines schnellen Behandlungsbeginns nach Diagnose und Erleichterung des Zugangs zu antiretroviraler Therapie.