RKI: Zahl der gemeldeten HIV-Erstdiagnosen geht leicht zurück

Quelle: Survstat@RKI 2.013. Juli 2017 - Heute hat das Robert Koch-Institut (RKI) im Infektionsepidemiologischen Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten 2016 erste Zahlen zum vergangenen Jahr veröffentlicht.


3.419 HIV-Erstdiagnosen in 2016

Im Jahr 2016 konnten von den beim RKI aus ganz Deutschland eingegangenen Meldungen 3.419 klar als Erstdiagnosen identifiziert werden. Die bundesweite Inzidenz lag damit bei 4,2 Erstdiagnosen pro 100.000 Einwohner*innen. Gegenüber dem Vorjahr (3.699) sank die Anzahl der Erstdiagnosen um 280 (7,6 Prozent).

79 Prozent der Neudiagnosen erfolgten bei Männern, 21 Prozent bei Frauen. 95 Prozent der Neudiagnosen sind wahrscheinlich auf sexuelle Übertragung zurückzuführen, davon zwei Drittel bei Männern, die Sex mit Männern haben, und ein Drittel bei Heterosexuellen. Die höchste Diagnose-Inzidenz liegt in den Altersgruppen 25 bis 39 Jahre, sowohl bei Frauen als auch bei Männern.


Unterschiede zwischen den Bundesländern

Im Vergleich mit dem Median der Inzidenz der fünf Vorjahre stieg die Inzidenz in zehn Bundesländern an, in sechs Bundesländern ging sie zurück. In den zehn Bundesländern mit Anstiegen in der Inzidenz ging die Zahl der in Deutschland erworbenen HIV-Infektionen in den letzten drei Jahren entweder zurück oder blieb stabil, während die Anzahl der nicht in Deutschland erworbenen Infektionen zunahm. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern könnten dabei auch durch unterschiedliche Testpolitik und Testangebote für Migrant*innen bedingt sein.

Für Nordrhein-Westfalen gibt das RKI in der IfSG-Jahresstatistik für 2016 766 Erstdiagnosen und eine Inzidenz von 4,3 an (2015: 799 Erstdiagnosen, Inzidenz von 4,5).

Weitere Details zu Meldungen und Inzidenzen in einzelnen Regionen Nordrhein-Westfalen finden Sie hier.


Infektionsrisiken

Für 2.738 der 3.419 Erstdiagnosen (80 Prozent) lagen Angaben zum Infektionsrisiko vor. Unter den 2.738 Erstdiagnosen mit Angaben zum Infektionsrisiko hatten sich 63 Prozent möglicherweise über gleichgeschlechtliche Kontakte unter Männern infiziert, 32 Prozent über heterosexuelle Kontakte und 5 Prozent bei intravenösem Drogenkonsum. Bei 1 Prozent der Erstdiagnosen handelte es sich um Kinder, die über ihre Mütter infiziert worden waren. Nur 3 dieser Kinder wurden von HIV-infizierten Müttern in Deutschland geboren.

Die Anzahl der unter Schwulen und anderen Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), in Deutschland erworbenen Infektionen ist im Vergleich zum Vorjahr gesunken, die Zahl der durch intravenösen Drogenkonsum in Deutschland erworbenen Infektionen hat sich gegenüber dem Vorjahr kaum verändert. Die Zahl der Infektionen, die auf heterosexuelle Kontakte in Deutschland zurückgeführt wurden, ist im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen.


Herkunft

Von den 300 im Jahr 2016 in Deutschland diagnostizierten und wahrscheinlich auch in Deutschland erworbenen HIV-Infektionen bei Menschen nichtdeutscher Herkunft stammten 31 Prozent aus Zentraleuropa, 14 Prozent aus Osteuropa, 11 Prozent aus Westeuropa, 13 aus Subsahara-Afrika, 9 Prozent aus Nordafrika oder dem Nahen Osten, 8 Prozent aus Südostasien, und 8 Prozent aus Lateinamerika oder der Karibik. Nordafrika und der Nahe Osten war die Herkunftsregion mit dem deutlichsten relativen Anstieg in Deutschland erworbener Infektionen: der Anteil stieg von 2 Prozent im Jahr 2014 auf 9 Prozent im Jahr 2016.


Fazit

Als Fazit stellt das RKI fest:

  • "Die Zahl der in Deutschland gemeldeten HIV-Erstdiagnosen geht leicht zurück. Damit bestätigt sich die bereits im letzten Jahr berichtete Beobachtung, dass die Zahl der Diagnosen von in Deutschland erworbenen Infektionen zurückgeht. Dies gilt insbesondere für Männer, die Sex mit Männern haben. Erfreulich ist insbesondere, dass die Zahl der Erstdiagnosen bei jungen MSM zurückgeht. Die Zahl der Personen, die sich über heterosexuelle Kontakte infiziert haben, bleibt dagegen praktisch unverändert.
  • Der im Jahr 2015 noch zu verzeichnende Anstieg von HIV-Erstdiagnosen war im Wesentlichen auf verstärkte Zuwanderung zurückzuführen. Diese Zuwanderung war im Jahr 2016 deutlich geringer. (...)
  • Andererseits kann bei den von Menschen nicht-deutscher Herkunft in Deutschland neu erworbenen HIV-Infektionen eine Zunahme der Anzahl und des Anteils derer festgestellt werden, die aus dem Nahen Osten oder Nordafrika stammen, während die Erstdiagnosen für alle anderen Herkunftsregionen zurückgehen oder gleich bleiben. Das bedeutet, dass mit der HIV-Prävention auch die in den letzten Jahren nach Deutschland gekommenen Zuwanderer erreicht werden müssen."

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